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Der #1 Grund für Müdigkeit nach der Arbeit

Frau sitzt müde am Schreibtisch

Du hast deine Sporttasche extra mit ins Büro genommen, um abends direkt durchzustarten. Doch gerade wenn dein Laptop runterfährt, passiert das Gleiche mit deinem mentalen Energielevel. Ins Gym fahren, trainieren und danach auch noch kochen? Das ist an manchen Tagen einfach zu viel. Aber wieso ist deine ganze Power im Laufe des Tages einfach so…verschwunden? Die geistige Erschöpfung, die du nach einem kognitiv herausfordernden Tag auf der Arbeit verspürst, scheint keine Einbildung zu sein, sondern an einem Überschuss an Glutamat in Teilen deines Gehirns zu liegen.

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Nachdem du den ganzen Tag am Schreibtisch gesessen hast, solltest du es gar nicht erwarten können, dich beim Sport auszupowern. Doch kognitiv herausfordernde Tätigkeiten können dich genau so erschöpfen, wie physisch anstrengende Arbeit, lassen aktuelle Forschungsergebnisse jetzt vermuten. Dauert die kognitive Arbeit mehrere Stunden an, können sich im präfrontalen Cortex, dem Teil deines Gehirns, der Reaktionen vorbereitet und Emotionen reguliert, potenziell toxische Nebenprodukte ansammeln. Diese könnten wiederum dein Entscheidungsvermögen beeinflussen, sodass du nach der Arbeit Handlungen bevorzugst, welche möglichst wenig Anstrengung erfordern. Zum Beispiel die Füße hochlegen, anstatt Joggen zu gehen.

Für diese Studie, erschienen im Fachjournal Current Biology, wurde mit Hilfe einer Magnetresonanzspektroskopie (MRS) die Gehirnaktivität von 40 Teilnehmenden, aufgeteilt in zwei Gruppen, im Laufe eines Tages überwacht. Die erste Gruppe löste kognitiv anspruchsvolle Aufgaben am Computer, für die zweite Gruppe fielen die Aufgaben deutlich leichter aus. Subjektiv verspürten die Teilnehmenden in beiden Gruppen am Ende des Tages Erschöpfung, allerdings konnten nur in der ersten Gruppe Anzeichen von Müdigkeit, wie eine verringerte Pupillenerweiterung, auch wirklich gemessen werden. Sie wiesen außerdem erhöhte Glutamatwerte in den Synapsen des präfrontalen Cortex auf, was laut den Forschenden dazu beiträgt, dass die kognitive Kontrolle nachlässt und Impulse schlechter gesteuert werden können. Wenn du also schon morgens planst, am Abend kein Feierabendbier zu trinken, könnte diese Entscheidung unter Umständen nach einem anstrengenden Tag nicht mehr viel wert sein.

Beim vermeintlichen Übeltäter Glutamat handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, also etwas, das dein Körper herstellt, wenn er Nahrung in Energie umwandelt. Es ist grundsätzlich nicht schädlich, im Gegenteil. Glutamat unterstützt die Weiterleitung von Nervensignalen und übernimmt damit eine wichtige Aufgabe, allerdings kann ein Überschuss nicht schnell genug abgebaut werden und sich in Folge negativ bemerkbar machen. Damit wird eine gängige These, Müdigkeit würde uns von unserem Gehirn vorgespielt werden um zu Tätigkeiten zu wechseln, die uns mehr Spaß machen, widerlegt. Mathias Pessiglione, klinischer Psychologe an der Universität Pitié-Salpêtrière in Paris, betont dass “…Müdigkeit in der Tat ein Signal ist, das uns dazu veranlasst, die Arbeit zu unterbrechen, aber zu einem anderen Zweck: um die Integrität der Gehirnfunktion zu erhalten.” Warum der präfrontale Cortex so anfällig für diese Glutamatansammlungen und Müdigkeit ist, muss allerdings noch weiter erforscht werden.

Was bedeutet das für dich?

Fühlst du dich nach der Arbeit mal müde und verbringst den Abend mit bestelltem Essen vor dem Fernseher, ist das natürlich kein Problem! Merkst du aber, dass sich diese Abende häufen und du zu erschöpft bist, um dich zu Aktivitäten zu motivieren, solltest du dein Arbeitspensum überdenken, öfter Pausen einlegen oder deine Aufgaben anders strukturieren. Pessiglione antwortet auf die Frage, ob es einen Weg gäbe, die eingeschränkte Denkfähigkeit des Gehirns nach kognitiver Arbeit zu umgehen: “Nicht wirklich, fürchte ich. Ich würde die guten alten Rezepte anwenden: Ruhe und Schlaf! Es gibt gute Belege dafür, dass Glutamat im Schlaf aus den Synapsen entfernt wird.” Wir wissen, dass das im Arbeitsalltag manchmal leichter gesagt als getan ist, auf Erholung zu achten. Trotzdem solltest du nie vergessen, dass deine Gesundheit immer Vorrang hat.

Die Forschungsergebnisse können dich nicht nur daran erinnern, auf ausreichend Pausen im Arbeitsalltag zu achten, sondern in Zukunft auch allgemein für ein Umdenken am Arbeitsplatz zu sorgen. Durch die Überwachung der präfrontalen Stoffwechselprodukte könnte geistige Ermüdung rechtzeitig erkannt und Arbeitspläne dadurch angepasst werden. Dieser Ablauf könnte in der Arbeitswelt zur Prävention von Burnout beitragen.

Übrigens, ein weiterer Tipp vom Experten lautet: Triff keine wichtigen Entscheidungen, wenn du müde bist. Ungefähr so, wie du es vermeiden solltest, hunrig einkaufen zu gehen.

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